DeutschFrançaisEnglish
   
 
   
   
   
 
 
     
   
 

 


Ein stolzer Held war Aktäon
Im Jagen wohl gewandt!
Und blut’ger Meute Hunde floh’n
Voran ihm über Land.
Auf heller Flur, im dunklen Wald
Ihm froh das Halali erschallt
Und des kühnen Jägers Spuren
Führten quer und wild durch Boötiens Fluren.

Da früh Aurorens Rosenhauch
Die Wälder rings erhellt
Der Jägersmann in Forst und Strauch
Den Ur und Eber fällt!
Zog Aktäon nach dem Gewild;
Rasch hat sich das Geschick erfüllt!
Denn zu Füßen der wilden Meute
Lag gar manche reiche Beute!

Die Sonne stieg am Himmelszelt
Hochan bis zum Zenit.
Ihr Brand, er sengte heiß das Feld
Als einen Hain man sieht!
„O du kühler, du schatt’ger Hain“,
spricht jener, „sollst mir Ruhstatt sein!“
Behenden Laufes, mit Windesschnelle
Eilt er nach des Haines Quelle.

Die Meute hetzt ihm hinterdrein
Doch plötzlich stockt sein Schritt.
Gewahrend einen munt’ren Reih’n
In blüh’nden Haines Mitt‘!
Denn eine heit’re Nymphenschar
Scherzt in dem Bade, silberklar;
Der Jäger gebeut der Meute Schweigen:
„Störet nicht der Nymphen Reigen!“

Sein Arm, er teilet das Gesträuch
Entzückt das Auge hängt
Gefesselt an dem Bild, das weich
Und warm zum Herzen drängt!
Ein Hund, der nah‘ dem Herren wacht –
Das Tier – es regt sich unbedacht!
Die Anadyomenen, mit Erschrecken,
den heimlichen Späher sogleich entdecken!

„Vermessener!“ rief aus das Weib
das himmelsschön und streng
nun steht; mit göttergleichem Leib
inmitten ihrer Meng‘.
„Vermessener! was wagtest du
zu stören dieser Stätte Ruh!
Ein Sterblicher! Die Ruh zu scheuchen!
Die Göttin beim Bade zu beschleichen!“

„Denn wisse, armer, kühner Tor“,
nun schrecklich spricht das Weib,
„noch nie sah’n Sterbliche zuvor
der Göttin nackten Leib!
Des Jagens Herrin heiße ich!
Weh dir, Verweg’ner! Hüte dich!
Der Artemis beim Bade zu stören wagte,
sei von den Hunden itzt der Gejagte!“

„Tritt näher, Freund!“ die Göttin sprach
und mit betörtem Blick
folgt der Boötier gleich ihr nach
tritt näher noch ein Stück.
Mit dem Borne sie ihn schnell benetzt!
„Auf, Hussa! Jenen Hirsch dort hetzt!“
also befahrend des Jägers Hunden.
„Er soll mir bluten! Aus tausend Wunden!“

Und sieh! Nicht mehr ein Jägersmann
Stand vor den Hunden dort!
Den Damhirsch schlug der Zauberbann.
Die Meute schnaubet Mord!
Und ach! die Hunde rissen gut,
bald lag das Wild in seinem Blut!
Stets werden die Götter dies bitter rächen:
Wenn Sterbliche heil’ge Gebote brechen!



Zurück